Pinned Travian: Path to Pandora

  • Travian: Path to Pandora


    Mein Name ist Shu, ich bin ein Raubvogel der Nataren. Früher lebte ich in dem Dorf Nekhen in den Travian-Landen, nur wenige Meilen von Atum entfernt, der Hauptstadt der Nataren. Mein Leben bestand nur daraus, meinem geliebten Natarenfürsten Asur zu Diensten zu sein. Vor zehn Jahren wurde ich dann auf eine geheime Mission entsandt, um ein neues Land für mein Volk zu finden, wo wir wieder aufleben könnten. Es war eine lange und schwierige Mission und nun, da ich 40 Jahre alt bin, kehre ich zurück, um meine Geschichte zu erzählen.


    Auf meinem Weg zurück durch die Travian-Lande stellte ich fest, dass sich die Welt, wie wir sie kannten, verändert hat. Ein seltsamer Anblick. Alles sah genau gleich aus, und dennoch völlig anders. Ich beschloss, der Sache nachzugehen und meinem Fürsten Asur davon zu berichten, was ich herausgefunden hatte. Ihr müsst wissen, dass die Nataren ein sehr eigenes Volk sind, wir pflegen keinen Umgang mit anderen Völkern außerhalb der grauen Zone. Vielleicht wissen sie gar nicht, was vor sich geht, deshalb muss ich ihnen davon berichten. Und Ihr werdet nicht glauben, was hier passiert ...
  • Reggia Latina



    An seine kaiserliche Majestät.

    Ich bin bei Reggia Latina eingetroffen. Doch obwohl ich diese Gegend gut kenne, muss ich Euch sagen, etwas ist anders. Es liegt etwas in der Luft ...

    Meine Knochen tragen die Spuren der vielen Berge und Felder, die ich überquerte. Es war eine beschwerliche Reise und zeitweise mehr als nur ein bisschen gefährlich. Wir dürfen auf keinen Fall unvorbereitet hierher reisen. Meinem treuen Gefährte Nenet allerdings scheint die Reise gar nichts auszumachen. Er gleitet weiterhin so mühelos durch die Luft wie am ersten Tag, als ich ihn fand.

    Ich war noch meilenweit entfernt, als sich die höchsten Türme des römischen Dorfes am Horizont abzeichneten. Die Stadt liegt am Fuße eines Berges, was ihr nicht nur Schutz gewährt, sondern auch den Zugriff auf wertvolle Eisenminen. Sie ist umgeben von gut positionierten Wäldern, Getreidefeldern und Tongruben. Keiner der Arbeiter soll einen längeren Weg zur Arbeit haben als nötig.

    Als ich mich näherte, sah ich, dass das ganze Dorf von einer stabilen Steinmauer umgeben war. Beeindruckend. Nenet kreiste über der Gegend und krächzte, um mir zu sagen, dass wir fast in Sichtweite der römischen Wachen waren. Ich ging in den nahen Wald und zog meine römische Kleidung an.

    Bis heute begreife ich nicht, dass eine so moderne Zivilisation immer noch in Sandalen herumrennt. Als ich in Richtung des Tors ging, sah ich, dass die Wachen pflichtbewussten dort patrouillierten. Allerdings war der Tag fast zu Ende und viele Arbeiter kehrten von ihrer Feldarbeit zurück. Leicht konnte ich mich in den stetigen Strom der Dorfbewohner einfügen. Um dafür zu sorgen, dass ich ohne Probleme hineinkommen würde, krächzte Nenet laut und flog seltsame Kreise. Sofort schauten alle nach oben. Die Römer waren einfach besessen von Vögeln als Omen.

    Drinnen war ich verblüfft. Alles war in Bewegung. Hunderte Stimmen schrien gegeneinander an, Menschen rannten mit Karren voller Rohstoffe hin und her und Soldaten marschierten im Gleichschritt vorbei. Ich kam an einem großen, runden Gebäude mit einer Kuppel aus reinem Gold vorbei. Davor standen böse dreinblickende Soldaten. Ich fragte mich, was oder wen sie dort wohl bewachten? Ich sah Pferde, die aus einem Trog tranken, der selbst für unsere Adligen noch als luxuriös gegolten hätte.

    Als mich der Blick eines Mannes traf, der auf mich zukam, beschloss ich weiterzugehen. Er sah mir streng in die Augen. Er war ganz weiß gekleidet und hatte eine rote Robe elegant über eine Schulter gelegt. Das konnte nur der Senator des Dorfes sein. Ob er mein Geheimnis durchschaut hatte? Ich hielt den Atem an, als er an mir vorbeiging. Er wusste nichts. Ich aber erkannte sofort das Potenzial der Situation und folgte ihm. Er ging in ein anderes prachtvolles zweistöckiges Gebäude voller Weinranken und erschien kurz darauf auf einer verzierten Balustrade. Ich schlich mich in eine der Öffnungen in der Mauer, um ihn zu belauschen.

    Der Senator sprach eifrig mit einem anderen Mann. Dieser hatte einen starken Akzent und nannte den Senator Gnaeus Titianus. Gut zu wissen. Sie beklagten sich über ein Dorf ganz in der Nähe, das von neuen Menschen gegründet worden war, die kein Recht auf dieses Gebiet hatten. Das glaubten zumindest die Römer. Offenbar waren diese Leute Experten in der Produktion von Rohstoffen. In der Stimme des Senators konnte ich eine Spur von Neid erkennen – sehr ungewöhnlich für einen Römer. Mir wurde klar, dass ich diese Menschen selbst aufsuchen musste. Ich war schon fast weg, als ich hörte, welchen Namen der Senator für sie hatte.

    Er nannte sie Ägypter.

  • An seine kaiserliche Majestät.

    Nachdem ich das römische Dorf verlassen hatte, machte ich mich sofort auf den Weg zu den Ägyptern. Wie ich herausfand, trug das Dorf den Namen Tanis. Aus Hügeln mit Getreide wurden Dünen. Die Luft war trocken und die Sonne brannte unbarmherzig auf das Land herab. Ich hatte meine Wasservorräte im römischen Dorf aufgefüllt, aber sie gingen bereits wieder zur Neige.

    Nenet flog pflichtbewusst voran. Er hatte mich viele Male vor Luftspiegelungen am Horizont gewarnt, die ich fälschlicherweise für Dörfer gehalten hatte. Als ich endlich blaue Flaggen sah und Nenet nicht widersprach, fühlte ich große Erleichterung. Schon von weitem konnte ich viele große, zylinderförmige Gebäude erkennen, die größer waren als die meisten Gebäude, die mir vertraut waren. Sie waren aus Lehmziegeln gebaut, hatten aber feine Kanten aus blauem Stein. Auf der Vorderseite jedes Gebäudes war ein faszinierendes Symbol zu sehen.





    Ich ging durch die Getreidefelder und auf das Tor des Dorfes zu. Obwohl es Mittagszeit war, arbeiteten viele Dorfbewohner unermüdlich in der Hitze. Schon lange vorher hatte ich meine ägyptische Kleidung angelegt, da sie bei diesem Wetter die einzig richtige Wahl war. Ich achtete darauf, wie ein mächtiger Mann aufzutreten, damit die Wachen es nicht wagten, mich zu befragen. Hocherhobenen Hauptes und mit ernstem Blick ging ich an den Wachen vorbei ins Dorf. Sie wurden offensichtlich nervös, aber ein falsches Wort in diesem Augenblick könnte sie später ihre Zunge kosten.
    Ich hatte es bereits vermutet, aber nun kannte ich das Geheimnis der Ägypter. Die Römer arbeiteten hart, aber sie machten auch mal gern eine Pause. Niemals jedoch hatte ich Menschen gesehen, die sich so hart ins Zeug legten wie hier. Die Arbeiter schwitzten und atmeten schwer, doch selbst die mit den schwersten Steinen machten nie eine Pause. Meine Aufmerksamkeit richtete sich auf ein wirklich beeindruckendes Gebäude. Es transportierte Wasser in klug ausgelegten Rohren durch das ganze Dorf. In der Nähe der Rohre waren grüne Flecken zu erkennen, die dem kargen Boden etwas Leben verliehen.




    Fasziniert ging ich weiter. Zwischen den großen zylinderförmigen Konstruktionen gab es ein kleineres, rechteckiges Gebäude mit einem hohen Kamin. Auf einem Holztresen kühlten Brotlaibe aus. Meine frischgebackene Mahlzeit genießend sah ich eines der beeindruckendsten Gebäude des Dorfs. Es war zweistöckig und nicht nur aus Lehmziegeln, sondern auch aus stabilem Kalkstein gebaut. Es bestand aus vielen sorgfältig gearbeiteten Elementen und seine Kanten waren mit blauem Stein verziert. Dieses Gebäude war definitiv wichtig. Ich musste hinein.

    Da alle arbeiteten, hoffte ich, das Haus wäre leer. Leise kletterte ich durch eine der Öffnungen. Der Raum war dunkel und kalt. An einer der Wände hingen viele Waffen. Mich interessierten aber eher die Schriftrollen, die auf einem Tisch in meiner Nähe lagen. Sie zeigten Zeichnungen eines fremden Dorfes und Skizzen großer Karren, mit denen Rohstoffe transportiert werden würden. Die Ägypter hatten sicherlich keine solchen Vorrichtungen. Aus dem zweiten Stock ertönte ein Geräusch. Ich musste weg. Ich warf einen letzten Blick auf die Schriftrollen, um vielleicht den Namen des Dorfes entziffern zu können. Da war er: Teutoburg. Damit war es entschieden.

    Mein nächstes Ziel würden die Germanen sein.

  • An seine kaiserliche Majestät.

    Nachdem ich das ägyptische Dorf erfolgreich infiltriert hatte, machte ich mich nach Teutoburg auf. Die meiste Zeit führte mich meine Reise durch einen riesigen, beinahe unendlichen Wald. Nachts wurde es kalt, aber meine germanische Kleidung aus Fell und Leder hielt mich warm. Hohe, immergrüne Bäume ragten in einen klaren Sternenhimmel empor, mit dessen Hilfe ich mich orientieren konnte, während Nenet auf meiner Schulter schlief. Nach einer kurzen Rast erreichte ich Teutoburg. Die Umgebung war in Morgennebel gehüllt.

    Als erstes stieg mir der Geruch nach frischem Hopfen in die Nase. Merkwürdig. Ein paar Männer schlugen nicht weit von mir entfernt Holz. Sie hoben die Scheite auf, als seien sie federleicht, und brachten sie ins Dorf. Ich näherte mich dem Lager der Holzfäller und ergriff eins der kleineren Scheite – das deutlich schwerer war als eine Feder. Zumindest konnte ich so ungestört ins Dorf gelangen. Als ich die Tore erreichte, schienen sich die Wachen allerdings keinen Deut um mich zu scheren. Sie spielten Karten und tranken ein Gebräu, das nach Kräutern und Zitrus duftete. Sehr merkwürdig.

    Ich betrat das Dorf und bemerkte, dass außer dem Erdwall, der es umgab, alles aus Holz gebaut war. Als ich mich umschaute, erkannte ich auch, woher der Geruch kam. Es gab eine Holzhütte, neben der ein fast ebenso großes Fass stand. Dieses Fass war über ein Rohr mit zwei langen, zylindrischen Objekten verbunden. Hinter dem Gebäude standen mehrere kleinere Fässer. Eines davon war offen und die Germanen füllten fleißig ihre Becher mit dem Inhalt. Es schien ihnen Stärke zu verleihen, aber auch einen seltsamen Sinn für Humor.




    Ich ging unauffällig daran vorbei und probierte einen Schluck. Es schmeckte bitter, aber wärmte mich. Aber ich war ja hier, um ein anderes Geheimnis zu lüften: diese großen Wagen, die auf den ägyptischen Skizzen zu sehen gewesen waren. Deshalb suchte ich weiter, bis ich ein zweistöckiges Gebäude mit einem Stand daneben erreichte. In diesem Stand befand sich ein Holzkarren, in dem bequem drei Leute Platz fanden. Eine wahrhaft ausgezeichnete Arbeit aus Holz. Ganz in der Nähe standen einige kleinere Stände eng beieinander, die alle wertvolle Güter wie Gemüse, Schafe, Brot und sogar Schmuck feilboten. Die Germanen mochten offenbar den Handel.

    Nachdem ich alles notiert hatte, was ich bisher gesehen hatte, nahm ich mir ein Stück Brot und ging weiter. In der Stadtmitte befand sich ein riesiges Gebäude. Wie die meisten Gebäude hier hatte auch dieses ein geneigtes Dach. Aber dieses war anders. Viele kleinere Dächer waren auf größeren angebracht, um innerhalb des Gebäudes verschiedene Bereiche zu schaffen. Vermutlich diente es unterschiedlichen Zwecken. Auf der Tür befand sich ein großes blaues Symbol. Ich ging näher heran, um es mir anzusehen. Da hörte ich das Kriegsgeschrei.

    Berittene Krieger tauchten wie aus dem Nichts auf. Die Männer sprangen von ihren Pferden ab und plünderten das Dorf. Ein paar von ihnen hatten sich die Taschen bereits mit reichlicher Beute gefüllt, bevor die Germanen auch nur verstanden hatten, was hier vor sich ging. Ihre Geschwindigkeit war wirklich unglaublich. Zwei Soldaten sahen mich an und nickten sich gegenseitig zu. Ich weiß nicht, ob sie mich verwechselten oder wussten, dass ich nicht hierher gehörte. Aber ehe ich mich versah, hatten sie mich schon überwältigt, meine Hände gefesselt, mich auf ein Pferd geworfen und ritten mit mir davon.

    Wir ritten eine ganze Weile. Als wir endlich ankamen, wurde ich ohne ein Wort in eine Zelle geworfen. Sie untersuchten meinen Beutel, aber zumindest mein Tagebuch konnten sie nicht lesen. In der Nacht kehrte Nenet zu mir zurück und pickte so lange an meinen Fesseln, bis meine Hände frei waren. Während ich Euch nun diese Zeilen schreibe, fürchte ich, dass dies mein letzter Brief sein wird. Bitte sagt meiner Frau und meiner Tochter, dass ich alles mir Mögliche für das Imperium getan habe.


  • An seine kaiserliche Majestät.

    Bereits eine Woche hatte ich im Gefängnis verbracht. Jeden Tag bekam ich Brot und Wasser, aber mein Flehen wurde nie erhört. Nenet besuchte mich häufig, manchmal brachte er mir Nüsse oder Trauben mit. Meine Zelle war klein. Tag und Nacht schaute ich durch die einzige Öffnung und wartete. Und beobachtete. Ich hatte bereits herausgefunden, dass meine Häscher Gallier waren und ich mich in ihrem Dorf namens Celtica befand. Ein sehr aufregender Ort. Ich konnte ein Haus sehen, zweistöckig, aus Stein gebaut und mit Holz verstärkt. Das Dach war aus Stroh. Vor diesem Haus lagen einige große Steinbrocken und ein Handwerker schlug Teile davon ab, um Büsten und andere Objekte herzustellen.

    Aus meiner Zelle konnte ich ein weiteres Gebäude erkennen. Es war rund, hatte ein Strohdach und einen Kamin. Ein offener Raum auf der Vorderseite war mit einer Mauer abgegrenzt. Überall lagen kleine Gegenstände wie Sägen, Seile und Ketten aus Metall. Die Gallier schienen mir geschickte Steinmetze zu sein. Außerdem schienen sie sich ständig Sorgen über Eindringlinge zu machen.

    Manchmal kamen Wachen an meinem Fenster vorbei. Einer von ihnen hatte immer noch meinen Beutel mit meinem Besitz. Ich musste mein Tagebuch wiederhaben. Eines Morgens bekam ich gerade Brot und Wasser, als eine leichte Brise durch das Fenster drang. Diese Brise trug wilde Schreie über eine Invasion herbei. Der Mann vor mir ließ den Teller fallen und rannte nach draußen. Die Tür ließ er dabei offen. Obwohl dies wie ein himmlisches Geschenk war, wusste ich doch, dass mich möglicherweise ein noch schlimmeres Schicksal erwartete. Langsam ging ich zum Rand meiner Zelle und lugte um die Ecke. Weit und breit niemand zu sehen. Nur eine Tür, die nach draußen führte.



    Ich näherte mich der Tür und öffnete sie vorsichtig. Die ganze Stadt war in Aufruhr. An strategischen Punkten waren Fallen verborgen. Kleine Steinformationen auf dem Boden wurden geöffnet, um ein Versteck für Wertsachen zu enthüllen. Schnell wurden Rohstoffe dort hineingeworfen. Ich sah den Soldaten, der meinen Beutel hatte. Sofort begann ich, ihm zu folgen, aber die hin- und herlaufenden Leute machten die Sache schwierig. Jemand rannte mich über den Haufen. Als ich mich aufrappelte, hatte ich mein Ziel aus den Augen verloren. Nenet krächzte. Er hatte ihn aus der Luft verfolgt.

    Ich lief an einer Zeltformation vorbei. Soldaten liefen heraus und bewaffneten sich mit Speeren und Schilden, die dort gestapelt waren. Ihr Anführer, groß und mit einem beeindruckenden Schnauzbart, bellte Befehle. Berittene Krieger passierten mich. Ich hatte Sorge, entdeckt zu werden, aber alle starrten nur mit tödlicher Konzentration geradeaus. Ich kam zu einem großen offenen Gelände, auf dem sich die Soldaten versammelten. Endlich sah ich den Mann wieder. Aber meinen Beutel trug er nicht länger bei sich.

    Ich hielt mich im Hintergrund und suchte mit den Augen nach meinen Besitztümern, als Gebrüll die Ankunft des Feindes ankündigte. Fremde. Eine ganze Reiterarmee. Der Anführer der Gallier gab den letzten Befehl. Alle machten sich bereit für den Angriff.

    Die Hunnen kamen.

  • An seine kaiserliche Majestät.

    Die Hunnen kamen nach Celtica und mit ihnen der Schrecken. Das Tor zum Dorf wurde förmlich aufgebrochen und eine riesige Horde berittener Krieger sprengte hindurch. Schilde zerbrachen, Fallen schnappten zu und Soldaten schrien auf. Nach nur wenigen chaotischen Minuten war die Schlacht vorbei und die siegreichen Hunnen begannen mit der Plünderung des Dorfes. Ich hielt meine Augen fest auf meine Besitztümer gerichtet. Bald würde sich der Staub legen und ich könnte diesen Ort verlassen.

    Eine Gruppe von Kriegern ging zu meinem Beutel und durchsuchte ihn. Sie öffneten das Tagebuch, zögerten und sahen sich um. Als ihre Augen in Richtung meines Verstecks wanderten, hielten sie plötzlich inne. Ich wurde vor Schreck stocksteif. Einige Augenblicke später sahen sie sich an und legten das Tagebuch zurück in den Beutel. Ihr Verhalten kam mir ausgesprochen seltsam vor. Ich versuchte, ihr Gespräch zu belauschen, aber sie waren einfach zu weit entfernt. Als sie sich wieder auf ihre Pferde schwangen und davonritten, hatte ich das Gefühl, einen Namen zu hören: Gnaeus Titianus. Das konnte nicht sein.

    Ein Pferd ließen sie zurück. Merkwürdig. Aber ob es nun eine Falle war oder nicht, ich musste ihnen folgen. Ich bastelte mir Hunnenkleidung zurecht, kletterte auf den Rücken des Pferdes und ritt durch die zerbrochenen Tore von Celtica. Eine weitere Kriegertruppe holte mich ein. Ich versuchte, nicht aufzufallen, aber seltsamerweise interessierten sie sich gar nicht für mich. Sie sangen und jubelten über den erfolgreichen Angriff. Einige von ihnen standen sogar mit beiden Füßen auf dem Pferderücken und tanzten während des Ritts.

    Über kahle Ebenen und Wiesen ritten wir in Richtung Askuzai, der Heimat der Hunnen. Ich hatte Schwierigkeiten, mit meinen Kameraden Schritt zu halten, die offenbar das Reiten noch vor dem Laufen gelernt hatten! Nenet folgte mir in einigem Abstand. Vermutlich hatte er Angst vor den tödlichen Fähigkeiten, die die Hunnen zuvor mit Pfeil und Bogen demonstriert hatten. Das Dorf war bereits aus weiter Ferne zu sehen, da es nichts gab, was den Blick darauf hätte behindern können. Alles hier schien förmlich dafür gemacht zu sein, sich auf dem Pferderücken fortzubewegen. Trotzdem hatte ich ein seltsames Gefühl in dieser Gegend. Etwas Merkwürdiges lag in der Luft ...


    In halsbrecherischer Geschwindigkeit rasten wir durch die Tore und wurden erst langsamer, als wir einen großen offenen Platz im Dorfzentrum erreichten. Hier sammelten sich die Truppen des Überfalls. Vor uns sah ich das Standbild eines Hunnenkriegers, dessen Pferd auf den Hinterbeinen stand, während der Krieger seinen Bogen in die Höhe reckte. Die Hunnen jubelten und erzählten sich Geschichten über den Angriff, eine tapferer und unglaubwürdiger als die andere. Ich bemerkte, dass Nenet über einer anderen Ecke des Dorfes kreiste.

    Ich stieg von meinem Pferd und ging in Nenets Richtung. Traditionelle Häuser gab es so gut wie keine, aber ich passierte viele Zelte. Aus einem großen freistehenden Kamin, der sich neben einem Holzschuppen mit Filzdach befand, stiegen Rauchschwaden auf. Um ihn herum waren Hammer und Amboss sowie verschiedene Waffen und Rüstungen zu sehen.
    Ich hörte Geräusche in der Nähe. Ich ging an einem Unterstand vorbei, in dem sich einige Pferde ausruhten und frisches Gras fraßen. Der Unterstand hatte zwei Dächer, eines aus Wolle und eines aus Filz. In einer anderen Kammer wurde Heu gelagert. Es war ein seltsamer Anblick, die Pferde ohne einen Reiter auf ihrem Rücken zu sehen. Ich ging weiter zu Nenet. Er kreiste über einem recht großen Gebäude. Dieses stand auf Holzpfeilern, seine Wände aus harten Fasern gefertigt und das Dach aus Filz. Ich ging zur Öffnung des Gebäudes, zwischen zwei Feuerschalen hindurch, und dann hinein. Nun stand ich in einem großen, runden Raum.

    Hier saß der Senator, Gnaeus Titianus. Er las in meinem Tagebuch, sah auf und begrüßte mich. Auf seinem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. Dann begann er zu sprechen. Er sagte, er wisse nun, wer ich sei. Und dass sich in den zehn Jahren, die ich fortgewesen sei, diese Welt vollkommen verändert habe.